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Melanies Schicksal

Melanie befand sich in einer verzweifelten Lage. Haendler hatten
sie gefangen und
an einen Stamm Kannibalen verkauft. Sie hatten ein gutes Suemmchen
fuer Melanie bezahlt, da sie als Braten fuer ihr bevorstehendes
Fest mehr als willkommen war.

Am Morgen des grossen Festes kamen zwei grosse Kuechengehilfen sie
abzuholen.
Das wars dann, dachte Melanie. Ihr zierlicher, kleiner Koerper
wuerde bald lecker duftend
und knusprig die Festtafel der Kannibalen zieren.
Von Melanie wuerde schon bald nur noch ein Haufen abgenagter
Knochen und die Erinnerung an einen leckeren Festbraten bleiben.
Schon jetzt sahen die Kannibalen in Melanie nicht mehr das suesse,
schwarzhaarige Maedchen, sondern das Festmal auf das
sie alle so lange gewartet hatten. Ihre wohlgeformten Bueste waren
nichts anderes als eine Extraportion Fleisch
und ihr Hintern zwei Schinken, die nur darauf warteten,
zubereitet zu werden.
Nein, dachte Melanie, dass darf nicht sein, ich bin nicht euer
Festessen, ich bin ein fuehlender Mensch, so darf es nicht enden.
Wuetend wehrte sie sich gegen den Griff der
beiden Kuechengehilfen. Als denen das zu dumm wurde, hohlte der
eine mit seiner Keule
aus und gab ihr einen Schlag auf den Kopf.

Als Melanie wieder zu sich kam, befand sie sich mitten in einem
grossen Steinofen.
Die Hitze musste sie geweckt haben, denn es begann gerade ziemlich
heiss zu werden.
Melanie befand sich, sehr geschmackvoll arrangiert, wie sie zugeben
musste, auf Knien und Ellbogen mitten in einer grossen Pfanne,
um sich herum Fruechte und Gemuese angeordnet.
In ihrem Mund ein Apfel und in ihrem
Hintern, was sie nicht sah, sondern nur spueren konnte, eine grosse
Karotte. Ihre langen schwarzen Haare waren
nach hinten gebunden, damit sie nicht in die Sosse hingen. Melanies
Koerper war mit Oel
und Kraeutern eingerieben, die bereits anfingen, ein angenehmes
Aroma zu verbreiten.

Melanie begann schon, sich mit ihrem Schicksal als Festbraten
abzufinden, da bemerkte sie, dass ihre Fesseln sehr locker gebunden
waren. Der Koch dachte wohl nicht, dass das
der Braten noch einmal zu Bewusstsein kommen wuerde und hatte ihre
Haende und Fuesse nur deshalb zusammengebunden,
damit der Leckerbissen im Ofen nicht verrutschte.

Fieberhaft machte sie sich daran ihre Fesseln zu loesen, waehrend
die Hitze anfing
unertraeglich zu werden. Schliesslich hatte Melanie es geschafft.
Vorsichtig lugte sie aus dem nach vorne offfenen Steinofen.
Keiner der Kannibalen achtete in diesem Momment auf
den Ofen. Alle waren schmatzend beschaeftigt, so etwas
wie eine Vorspeise, zu Essen. Es ähnelte irgendwei der hierzulande
gebräuchlichen Blutwurst, waehrend der Haeuptling etwas vor sich hatte, das
wie ein grosses Stueck Leber aussah.
Melanie war nicht besonders an den Ernaehrungsgewohnheiten der
Kannibalen interessiert, viel eher war sie in diesem Momment darauf
aus, nicht Teil davon zu werden. Daher beeilte sie sich,
den unbeobachteten Momment auszunutzen und sich so
schnell wie moeglich aus dem Staub zu machen.

Melanie rannte so schnell ihre Fuesse trugen. Schweiss und Oel
rannen ihren Koerper herunter. Als sie nicht mehr konnte hielt sie,
an einen Baum gelehnt an.
Das ging zu einfach, dachte sie. Warum ist mir niemand gefolgt?
Und wieso fuehlt sich das Laufen so komisch an? Liegt es daran,
dass mein Koerper fast gebraten worden waere?
Melanie sah an ihrem Koerper herunter und erschauderte: Ihr Bauch
war seltsam gewoelbt.
In der Mitte vom Nabel bis fast zu ihrer Möse war ein Schnitt, der
mit groben Stichen
vernaeht war. Melanie setzte sich schaudernd zu Boden und trennte
zitternd einen Teil der Naht auf:
Tatsaechlich, all ihre nicht lebenswichtigen inneren Organe fehlten!
Stattdessen war ihre Bauchhoehle bis zum platzen mit
kleingeschnittenem Gemuese angefuellt, das nun aus ihr
herausquoll. Sie hatten sie ausgenommen und gefuellt wie eine
Weihnachtsgans!
Die Vorspeisse, die die Kannibalen zu sich nahmen waren Melanies
Innereien. Aus ihren Därmen hatten sie Wuerste gemacht! Gefuellte Melanie
heatte schlieslich die Hauptspeisse werden sollen.
Das war das Ende! Kein Arzt der Welt koennte sie jetzt noch retten können,
ohne Innereien wuerde sie nicht lange ueberleben.

————-

Der Haeutling war gerade mit Melanies Leber fertg, als er das
Hauptgericht resignierend ins Dorf zuruecktrotten sah.
'Hmm, raus aus dem Ofen war die Kleine noch schneller. Ihre
Begeisterung hat wohl sehr abgenommen, als sie gemerkt hat, dass
sie was wichtiges vergessen hat….Aber so ein
kleiner Lauf vor dem Essen ist gut fuer die Figur und auesserst
appetitanregend.'
Grinsend half ihr der Koch auf den Zubereitungstisch. Melanie legte
sich seufzend auf den Ruecken, damit er ihren Bauch wieder
auffuellen und richtig zunaehen konnte. Anschleissend
nahm sie wieder in der Mitte ihrer Pfanne Platz, oeffnete den Mund
fuer den Apfel, und liess
sich von den Gehilfen zum Ofen tragen.
Bevor sie in den Ofen geschoben wurde warf sie dem Haeuptling noch
einen letzten Blick zu. Dieser sass zurueckgelehnt auf seinem
Thron und laechelte sie an. Melanie warf ihm
ein verzweifeltes Laecheln zurueck und verschwand im Ofen, um nach
etlichen Stunden
knusprig gebacken wieder herausgeholt zu werden.

Das war immerhin das einzige, wozu sie ohne Eingeweide noch gut
war.
Post number No.16478
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